Ein Musiker mit einem heftig neugierigen Geist, einer tadellosen Technik und einer intensiven poetischen Vision: Ilya Poletaev ist ein Künstler, der gleichermaßen am modernen Klavier als auch an den historischen Tasteninstrumenten Cembalo, Hammerklavier und Kammerorgel zuhause ist. In der Süddeutschen Zeitung bejubelt als „einer der bedeutungsvollsten Pianisten seiner Generation“, startete er seine Karriere, nachdem er 2010 den ersten Preis des renommierten Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs in Leipzig gewonnen hat – als einziger Kanadier, der jemals mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Seitdem trat er in Deutschland im Gewandhaus Leipzig, auf dem Klavier-Festival Ruhr, bei den Dresdner Musikfestspielen, den Musikfestspielen Potsdam und dem Bachfest Leipzig auf, sowie international auf dem Montreal Bach Festival (Kanada), im Kimmel Center und in der Philadelphia Chamber Music Society in Philadelphia (USA), im Ordway Center in Saint Paul (USA), in Torontos Roy Thomson Hall (Kanada), auf dem Caramoor Festival (USA), bei Chamber Music Northwest in Portland (USA) und vielen anderen renommierten Orten.
Ilya Poletaev gewann 2008 den Großen Preis von Concorso Sala Gallo in Italien, wurde 2008 ein Laureat der kanadischen Stepping Stone, erhielt 2007 einen Hauptpreis beim Cembalo Wettbewerb der Southeastern Historical Keyboard Society (SEHKS) und wurde ein Preisträger beim George Enescu Wettbewerb in Bucharest 2011. 2009 wurde er in die Liste der Astral Artists aufgenommen und ist aktuell ein Astral Artist Laureat.
Auf dem modernen Klavier trat Ilya Poletaev mit dem Toronto Symphony Orchestra, dem Orchestra of St. Luke’s (New York), dem Hartford Symphony, dem Moskauer Staatlichen Symphonieorchester, dem Samara Philharmonic Orchestra (Russland), der Sinfonia Toronto und dem Orchestra Filarmonica di Cluj (Rumänien) auf und arbeitete u.a. mit den Dirigenten David Robertson, Peter Oundjian, Bernhard Gueller, Rossen Milanov, Nurhan Arman, John Holloway und Leo Kraemer zusammen.
Bekannt für seine Breite und Kreativität bei der Programmauswahl, reichten Ilya Poletaevs Solo-Auftritte in den vergangenen Saisons vom kompletten Zweiten Buch von Johann Sebastian Bachs Wohltemperierten Klavier (welches er vollständig auf modernem Klavier wie auf historischen Tasteninstrumenten spielt), über traditionelle Rezitationen und Konzertauftritte mit allgemein bekanntem als auch vernachlässigtem Repertoire (u.a. von Carl Philip Emanuel Bach, Dussek, Medtner, Enescu, Nielsen, etc.), bis hin zu interdisziplinären Events, bei denen er verschiedene Instrumente benutzt, Dichterlesungen, Spoken Commentary oder auch Geschichtserzählungen.
Bei der Aufführung des barocken und klassischen Repertoires auf dem modernen Klavier, ein Bereich, für den er wohl bekannt ist, strebt Ilya Poletaev die Zusammenbringung von persönlicher Vision und breiter Palette instrumentaler Farben mit höchst akribischer Quellenarbeit und Berücksichtigung historischer Aufführungspraktiken an. „Ein exzellenter Cembalist, er spielte Bach so gut auf dem Klavier, wie ich es noch nie zuvor gehört hatte… Alles, was er spielte, war tief durchdacht… Seine Intelligenz war luminös.“ (Berkshire Eagle) „Die Bach-Ouvertüre wurde dargelegt mit einem entzückend federnden Rhythmus, einem kontinuierlichen Zusammenspiel kontrapunktischer Linien und einem Ton, der klar und warm war ohne einen Hauch von Härte. Stilvoll, wie es war, war es mit verwickelten, detaillierten Verzierungen auch ein romantisches Spiel.“ (Seen and Heard International).
In seinen Interpretationen der traditionellen romantischen Literatur kombiniert Ilya Poletaev die improvisatorische Flexibilität, die er von seiner Erfahrung mit der Aufführungspraxis dieser Zeit ableitet, mit psychologischer Einsicht und einer Begabung für groß angelegte melodische Narrative. Über eine neuere Aufführung von Schumanns Humoreske schrieb ein Kritiker: „Es gab keinen Versuch, Schumanns kluftreiche Kanten abzuschmirgeln und die Schläge plötzlicher Wechsel in Gedanken und Stimmung abzudämpfen. Durch ein liberales Maß von rhythmischer Verzerrung offenbarte Poletaev die wunderbare Wahrheit in Schumanns Ängsten, Besessenheiten und wilden Ausflüchten – was dessen aparte Realität gewesen ist. Der (gesunde) Verstand war umso süßer in der vorletzten Partie, welche der Pianist in den zartesten Schattierungen der Aufrichtigkeit wiedergab.“ (Philadelphia Inquirer)
Unter seinen vielfältigen musikalischen Interessen beschäftigt sich Ilya Poletaev mit besonderer Hingabe mit dem herausragenden rumänischem Komponisten George Enescu. Seine Aufnahme von den Violin- und Klavierwerken mit Axel Strauss, herausgegeben in zwei Teilen bei Naxos, wurden bejubelt als „die feinste Wiedergabe… abgesehen von den Aufnahmen, die Enescu selbst gemacht hat“ (American Record Guide),“formidable” (Gramophone), und “höchst fesselnd” (The Strad). Eine kürzliche Aufführung von Enescus Klaviersonate Nr. 1 in der Philadelphia Chamber Music Society „schien in andere Zeit und Raum zu transportieren“ (Philadelphia Inquirer). Im Februar 2017 hat Ilya Poletaev ein erstes Kleinst-Festival zu Enescus Werken in Kanada organisiert, bei dem international bekannte Künstler, Preistragende Studierende sowie Alumni der McGill Universität Montreal zusammengekommen sind.
Als begeisterter Kammermusiker ist Ilya Poletaev Gründungsmitglied des Trio de Montreal (mit Axel Strauss, Violine, und Yegor Dyachkov, Cello) sowie des Trio Séléné (mit Mingzhe Wang, Klarinette, und Elizabeth Lara, Cello). Trio Séléné‘s erste Aufnahme mit Werken von Fauré, Zemlinsky und dem katalanischen Komponisten Fernando Buide ist im Mai 2018 herausgekommen (Summit Records, USA). Poletaev ist außerdem mit den Gesangskünstlern Susan Graham, Miah Persson, James Taylor, Thomas Cooley und Dominique Labelle aufgetreten, den Cellisten Gary Hoffmann und Joshua Roman, den Geigern Donald Weilerstein, Colin Jacobsen, Mark Steinberg, Stephen Copes, sowie den Mitgliedern des St. Lawrence, Juilliard, dem Alcan Streichquartett, dem Flötisten Ransom Wilson und vielen anderen.
Als ein Solo-Cembalist trat Ilya Poletaev in der Carnegie Hall’s Weill Recital Hall, der Pierpont Morgan Library, der Helicon Foundation, dem Ordway Center in St. Paul, Minnesota (mit dem St. Paul Chamber Orchestra, beide in Kammerformationen und unter der Leitung von Christian Zacharias), bei Montreal’s Salle Bourgie, dem Aston Magna Early Music Festival, dem Amherst Early Music Festival und der Yale’s Collection of Musical Instruments auf. Als ein Basso Continuo-Spieler spielte er mit Masaaki Suzuki, Andrew Lawrence-King, Steven Stubbs, Nicholas McGegan, Simon Carrington, Graham O’Reilly, Matthias Maute und Helmuth Rilling zusammen. In mehreren Aufnahmen mit dem Yale Schola Cantorum (Bach’s 1725 St. John Passion; Bertali’s Missa Resurrectionis u.a., alle herausgegeben bei ReZound label) ist Ilya Poletaev sowohl in der Rolle als Solist als auch als Begleitung zu hören.
Zusätzlich zu seinem klassischen Repertoire ist Ilya Poletaev aktiv im Improvisieren, sowohl bei solistischen Auftritten als auch als Live-Begleitung für Stummfilme.
Ilya Poletaevs Aufführungen und Interviews wurden auf BBC, WQXR in New York, Minnesota Public Radio, CBC Radio-Canada, Radio Berlin-Brandenburg, dem MDR, NDR und WDR, Radio Romania, Radio Rossiya, Radio Orfei (Russische Föderation) und weiteren Sendern übertragen. Seine Aufnahme von George Enescu’s Violin- und Klavierwerk mit Axel Strauss wurde weltweit im Radio übertragen.
Ilya Poletaev ist derzeit Lehrbeauftragter für das Fach Klavier an der Schulich School of Music an der McGill Universität in Montreal. Er ist außerdem stellvertretender Direktor bei der Norfolk Chamber Music Festival’s Choral Week. Vorher war er an der Fakultät der Yale Universität als Dozent für Alte Musik tätig. Er hat eine Vielzahl von Meisterkursen gegeben und Vorträge zu der Aufführungspraxis in vielen wichtigen Musikeinrichtungen weltweit gehalten, darunter das San Francisco Konservatorium, das Tanglewood Institut der Universtität Boston, die Buchman-Mehta Music Academy in Tel-Aviv, die Rubin Akademie in Jerusalem, das Royal Conservatory in Toronto und das Conservatorio di Milano. Seine Schülerinnen und Schüler haben vielfältige Preise und Stipendien erhalten.
Ilya Poletaev begann mit dem Klavierspiel im Alter von sechs Jahren in Moskau, setzte seine Ausbildung in Israel fort, bis er im Alter von 14 Jahren nach Kanada zog. Er hat einen Bachelor Abschluss von der Universität Toronto, wo er bei Marietta Orlov (Klavier), Colin Tilney (Cembalo) und Walter Buczynski (Komposition) lernte. Er verfügt über einen Masterabschluss und Doktortitel der Universität Yale, wo er bei Boris Berman studiert hat.
Ilya Poletaev lebt derzeit in Montreal mit seiner Frau, der in Rumänien geborenen Pianistin Ruxandra Oancea, und ihrem gemeinsamen Sohn Nikolay Simon